25 Jahre Deutsche Einheit

1989 fiel die Berliner Mauer. Die Menschen in der DDR haben mit ihrer friedlichen Revolution die Mauer eingerissen und damit die Diktatur der DDR zu Fall gebracht. Ein Jahr später – am 3. Oktober 1990 – wurde Deutschland wiedervereinigt. © picture-alliance/ ZB Heute ist von der Mauer nichts mehr zu sehen. West- und Ost-Berlin sind längst zusammengewachsen: Hundertausende Menschen durchqueren täglich das Brandenburger Tor. © BMWi 1949 wurden sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR gegründet. Berlin war von nun an geteilt – in West- und Ost-Berlin. Doch bis 1960 konnte man mehr oder weniger ungehindert von einem Teil der Stadt in den anderen wechseln. © picture alliance / ZB Am 13. August 1961 begann der Mauerbau quer durch Berlin. Die DDR schottete sich von der Bundesrepublik ab und sperrte ihre Bürgerinnen und Bürger ein. Wer versuchte, über die Mauer nach West-Berlin zu fliehen, wurde im schlimmsten Fall erschossen. © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung


Fall der Berliner Mauer 1989; Quelle: picture-alliance/ ZB
1989 fiel die Berliner Mauer. Die Menschen in der DDR haben mit ihrer friedlichen Revolution die Mauer eingerissen und damit die Diktatur der DDR zu Fall gebracht. Ein Jahr später – am 3. Oktober 1990 – wurde Deutschland wiedervereinigt.
© picture-alliance/ ZB
Brandenburger Tor heute
Heute ist von der Mauer nichts mehr zu sehen. West- und Ost-Berlin sind längst zusammengewachsen: Hundertausende Menschen durchqueren täglich das Brandenburger Tor.
© BMWi
Gründung der Bundesrepublik und der DDR 1949; Quelle: picture alliance / ZB
1949 wurden sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR gegründet. Berlin war von nun an geteilt – in West- und Ost-Berlin. Doch bis 1960 konnte man mehr oder weniger ungehindert von einem Teil der Stadt in den anderen wechseln.
© picture alliance / ZB
Beginn des Mauerbaus 1961; Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung; Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
Am 13. August 1961 begann der Mauerbau quer durch Berlin. Die DDR schottete sich von der Bundesrepublik ab und sperrte ihre Bürgerinnen und Bürger ein. Wer versuchte, über die Mauer nach West-Berlin zu fliehen, wurde im schlimmsten Fall erschossen.
© Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Was ist die „Deutsche Einheit“?

Wie kam es zur deutschen Wiedervereinigung? Warum gab es überhaupt zwei deutsche Staaten? Und wieso waren sie durch eine Mauer getrennt? Tim und Laura besuchen Lauras Großvater in Berlin, der ihnen alles über die Deutsche Einheit erzählt.


Was Du sonst noch wissen solltest

Deutschlandkarte mit den vier Besatzungszonen, Quelle: Wikipedia / Glglgl
© Wikipedia / Glglgl | Aufteilung Deutschlands in die vier Besatzungszonen der Siegermächte Großbritannien, Sowjetunion, USA und Frankreich (li. oben n. li. unten)

Wie ist die Mauer entstanden?

1945 endete der Zweite Weltkrieg, den Deutschland unter Adolf Hitler begonnen und verloren hatte. Die vier Sieger – Großbritannien, Frankreich, die USA und die damalige Sowjetunion – besetzten Deutschland mit ihren Soldaten und teilten es in vier Besatzungszonen auf.

...

1945 endete der Zweite Weltkrieg, den Deutschland unter Adolf Hitler begonnen und verloren hatte. Die vier Sieger – Großbritannien, Frankreich, die USA und die damalige Sowjetunion – besetzten Deutschland mit ihren Soldaten und teilten es in vier Besatzungszonen auf.

Unter den vier Siegermächten gab es bald Streit darüber, was aus Deutschland werden sollte. Weil sie sich nicht einigen konnten, kam es zum Bruch: Aus den drei Zonen der westlichen Siegermächte USA, Frankreich und Großbritannien entstand am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland. Sie entschied sich für eine Westanbindung und damit für Freiheit, Demokratie und Soziale Marktwirtschaft. Aus der Zone der Sowjetunion wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Dort sollte nach dem Vorbild der Sowjetunion der Sozialismus aufgebaut werden. Das bedeutete zum Beispiel, dass alle Fabriken dem Staat gehörten und der Staat bestimmte, was und wie viel hergestellt wurde.

Obwohl sich die DDR „demokratisch“ nannte, war sie in Wirklichkeit eine Diktatur, in der es keine demokratischen Grundrechte wie zum Beispiel freie Wahlen gab. An der Spitze stand aber nicht ein einzelner Diktator, sondern eine ganze Partei: die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Deshalb spricht man von einer Parteidiktatur. Geleitet wurde die SED von zwei Regierungschefs: Walter Ulbricht (1949-1971) und Erich Honecker (1971–1989).

Weil die vier Siegermächte die frühere Hauptstadt Berlin nicht einem von ihnen ganz überlassen wollten, teilten sie die Stadt in vier Zonen auf: Die drei westlichen Berliner Besatzungszonen gehörten ab 1949 zur Bundesrepublik (West-Berlin), die Zone der Sowjetunion wurde die Hauptstadt der DDR (Ost-Berlin). Dadurch lag West-Berlin wie eine Insel in der DDR.

In den ersten Jahren konnten die Menschen ziemlich ungehindert zwischen der Bundesrepublik und der DDR beziehungsweise zwischen West- und Ost-Berlin hin und her reisen. Ab 1952 wurde dies aber immer schwieriger, weil die DDR ihre Grenze gründlicher absicherte und überwachte. Trotzdem flüchteten Hundertausende Menschen in den Westen, weil sie sich unter der Parteidiktatur in der DDR nicht wohlfühlten, beim Aufbau des Sozialismus nicht mitmachen wollten oder die Demokratie und die Soziale Marktwirtschaft in der Bundesrepublik besser fanden. Der DDR liefen sozusagen die Bürgerinnen und Bürger davon.

Deshalb beschloss die SED, die Grenze zur Bundesrepublik zu schließen und um West-Berlin eine Mauer zu bauen. Am 13. August 1961 begann der Mauerbau quer durch Berlin. Die SED sperrte ihre Bürgerinnen und Bürger somit einfach ein. Das sagte sie so aber nicht. Stattdessen bezeichnete sie die Mauer als „antifaschistischen Schutzwall“, mit dem sie die Menschen in der DDR vor dem angeblich schlechten Einfluss des Westens beschützen wollte. Wer trotz Minenfeldern, Stacheldraht und schließlich auch Selbstschussanlagen die Flucht in den Westen wagte, riskierte nicht nur jahrelange Haft, sondern auch seine Gesundheit und sein Leben – zwischen 1961 und 1989 gab es 138 Mauertote allein in Berlin.

Die Berliner Mauer wurde zum weltbekannten Symbol für den sogenannten „Kalten Krieg“ zwischen dem Westen, der von den USA angeführt wurde, und dem Ostblock unter Führung der Sowjetunion.

...

Kinder am Lagerfeuer; Quelle: picture alliance / ZB
© picture alliance / ZB

Wie haben die Menschen in der DDR bis zur Wiedervereinigung gelebt?

An der Spitze der DDR stand die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, kurz SED. Die SED bestimmte nicht nur die Politik, sondern griff auch in den Alltag der Menschen ein: von der Erziehung über die Freizeitgestaltung bis hin zur Arbeitsplatz- und Wohnungswahl.

...

An der Spitze der DDR stand die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, kurz SED. Die SED bestimmte nicht nur die Politik, sondern griff auch in den Alltag der Menschen ein: von der Erziehung über die Freizeitgestaltung bis hin zur Arbeitsplatz- und Wohnungswahl. So wollte sie sicherstellen, dass die Menschen in der DDR der SED treu folgten. Man hat deshalb auch von einer „Erziehungsdiktatur“ gesprochen.

Die Menschen in der DDR führten ein Leben voller Widersprüche: Auf der einen Seite gab es die staatlichen Vorgaben, die das öffentliche Leben bestimmten. Andererseits versuchte die ganz große Mehrheit, ein anständiges Leben zu führen und nicht in Konflikt mit dem SED-Staat zu geraten.

Das Leben in der DDR war mehr oder minder von der Geburt bis zum Einstieg ins Berufsleben durchgeplant: Da in der DDR in der Regel beide Eltern berufstätig waren, kamen Kinder häufig bereits mit dem ersten Lebensjahr oder sogar früher in die Kinderkrippe. Mit drei Jahren wechselten sie in den Kindergarten. Der Staat hoffte, dadurch schon früh Einfluss auf die Erziehung der Kinder im Sinne des Sozialismus nehmen zu können. Mit sechs Jahren ging es dann in die Schule. Dort wurde man fast automatisch Mitglied bei den Jugendorganisationen der SED, zunächst den Jungpionieren, dann bei den Thälmann-Pionieren und anschließend in der FDJ, der Freien Deutschen Jugend. Die Organisationen boten nach Schulschluss auch Freizeit- und Sportangebote an und organisierten im Sommer Ferienlager, auf die sich die Kinder schon lange vorher freuten. Nach der zehnten Klasse machten die meisten Schülerinnen und Schüler eine Berufsausbildung. Nur wenige durften aufs Gymnasium und anschließend studieren. Ab Mitte der 1970er Jahre war sogar ein dreijähriger Dienst bei der Armee Voraussetzung für ein Studium. Nach der Ausbildung oder dem Studium begann die Pflicht zur Arbeit.

Trotz der vielen staatlichen Vorgaben versuchte jeder, glücklich zu sein, sein Leben zu genießen und – so gut es ging – sein eigenes Stück Freiheit zu schaffen: Die einen schauten heimlich das Fernsehen aus der Bundesrepublik („West-Fernsehen“), die anderen hörten Punk- oder Rockmusik, was lange Zeit ebenfalls nicht erlaubt war, oder lasen verbotene Bücher. Man durfte sich nur nicht erwischen lassen.

Wer sich allerdings offen gegen die Partei stellte und sie kritisierte oder gar in den Westen fliehen wollte, den ließ die SED von ihrer Geheimpolizei, dem Ministerium für Staatssicherheit (kurz „Stasi“) überwachen. Die Stasi kontrollierte die Post von Staatskritikern, hörte ihre Telefone ab, drang unerlaubt in ihre Wohnungen ein oder setzte Spitzel auf sie an. Manchmal wurden Staatskritiker und Menschen, die versucht hatten zu fliehen, sogar verhaftet und für viele Jahre ins Gefängnis gesperrt.

...

Schlange vor einem Gemüsegeschäft in Weimar, 1983; Quelle: Archiv Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Uwe Gerig
© Archiv Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Uwe Gerig

Wie funktionierte die Wirtschaft in der DDR?

Die Wirtschaftsordnung der DDR war die Planwirtschaft. Das heißt: Der Staat plante im Voraus, welche Produkte die Menschen benötigen und kaufen würden. In der Praxis funktionierte das allerdings nicht: Der Staat plante falsch, so dass es viele Produkte, die die Menschen brauchten oder wollten, einfach nicht gab.

...

Die Wirtschaftsordnung der DDR war die Planwirtschaft. Das heißt: Der Staat plante im Voraus, welche Produkte die Menschen benötigen und kaufen würden. In der Praxis funktionierte das allerdings nicht: Der Staat plante falsch, so dass es viele Produkte, die die Menschen brauchten oder wollten, einfach nicht gab.

In der DDR gehörten die meisten Betriebe, Fabriken und Bauernhöfe dem Staat. Er machte den Betrieben und Bauernhöfen genaue Vorgaben, welche Produkte sie in welcher Zeit herstellen oder anbauen und ernten sollten. Auch die Preise, zu denen die Produkte dann verkauft wurden, gab der Staat vor.

Damit sich alle Menschen in der DDR bestimmte Produkte und Nahrungsmittel leisten konnten, hielt der Staat die Preise niedrig: Trotz deutlich höherer Produktionskosten kosteten Brötchen in der DDR nur 5 Pfennig (das ist heute weniger als ein Cent). Viele andere Produkte gab es meistens gar nicht oder nur schwer zu kaufen, beispielsweise Orangen oder Bananen. Aber auch viele andere Produkte wie Wasserhähne, Farbfernseher, Schuhe oder Ersatzteile für Autos waren oft nicht zu bekommen oder mussten illegal besorgt werden.

Wer gute Beziehungen hatte, konnte auch sogenannte „Bückware“ bekommen. Das waren begehrte Produkte, die es offiziell nicht gab, die manche Ladenbesitzer aber unter dem Verkaufstresen versteckt hatten. Um sie herauszuholen, mussten sie sich bücken – daher der Name.

Glück hatten DDR-Bürger, die Beziehungen zur Bundesrepublik hatten und manchmal „Westpakete“ bekamen. Da waren dann begehrte und in der DDR seltene Artikel wie Kaffee, Kosmetika, Süßigkeiten oder auch mal eine Jeans drin.

Wie stark die Planwirtschaft von den Bedürfnissen der Menschen abwich, erkennt man am Trabbi, dem bekanntesten und meist verkauften Auto in der DDR: Wer einen Trabbi bestellte, musste 12 bis 17 Jahre warten, bis er das Auto endlich erhielt.

Die Planwirtschaft führte dazu, dass es der Wirtschaft in der DDR immer schlechter ging. Die Betriebe produzierten zu langsam, zu teuer und zu wenig, um die Wirtschaft der DDR – und damit das ganze Land – am Laufen zu halten. Außerdem hatte sich die DDR im Westen viel Geld geliehen, das sie aber wegen der schlechten Wirtschaftslage nicht mehr zurückzahlen konnte. 1989 war die DDR so gut wie pleite.

Die schlechte wirtschaftliche Lage, die dauernde Bevormundung durch die SED und der Ärger über die Stasi waren einige der Gründe, warum die Menschen im Herbst 1989 auf die Straße gingen. Sie protestierten friedlich, aber immer lauter – bis im November 1989 die Mauer endlich fiel und es schließlich zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten kam.

...

In der Nacht vom 10. zum 11.11.1989 Menschen auf und vor der Mauer vor dem Brandenburger Tor; Quelle: Archiv Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Uwe Gerig
© Archiv Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Uwe Gerig

Wie kam es zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung?

Die DDR war eng mit der Sowjetunion verbündet. Schließlich war sie nach dem Zweiten Weltkrieg aus der sowjetischen Besatzungszone und nach sowjetischem Vorbild entstanden. Die Sowjetunion hatte ähnliche Probleme wie die DDR: Die Wirtschaft lag am Boden und den Menschen ging es schlecht.

...

Die DDR war eng mit der Sowjetunion verbündet. Schließlich war sie nach dem Zweiten Weltkrieg aus der sowjetischen Besatzungszone und nach sowjetischem Vorbild entstanden. Die Sowjetunion hatte ähnliche Probleme wie die DDR: Die Wirtschaft lag am Boden und den Menschen ging es schlecht.

1985 kam Michail Gorbatschow an die Macht, der Chef der dort herrschenden Partei. Er erkannte, dass sich die Sowjetunion verändern musste, damit es den Menschen in seinem Land besser ging. Deshalb setzte er zwei Programme um:

  1. Glasnost (bedeutet Offenheit, Redefreiheit): Zum ersten Mal durften die Menschen in der Sowjetunion frei ihre Meinung sagen und politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Themen kritisch diskutieren.
  2. Perestroika (bedeutet Umbau, Umgestaltung): Die Sowjetunion sollte demokratischer werden: Die Menschen durften zum Beispiel frei wählen und bekamen mehr Rechte, Unternehmen konnten zum ersten Mal frei entscheiden, was sie produzierten. Außerdem wurden die Beziehungen zum Westen deutlich verbessert.

Ein ganz wichtiger Punkt der Perestroika war der folgende: Jeder sozialistische Staat des Ostblocks durfte nun frei entscheiden, ob er weiterhin sozialistisch sein wollte oder nicht. Dadurch wollte Gorbatschow die Länder, die mit der Sowjetunion verbündet waren, zu Reformen ermutigen. Viele dieser Länder nutzten die Chance und wurden demokratischer. Eine Folge dieser Reformen war, dass Ungarn – das Land gehörte ebenfalls zum Ostblock – im Juni 1989 seinen Grenzzaun zu Österreich abbaute. Da viele DDR-Bürger im Sommer in Ungarn Urlaub machten, flohen sie von dort aus nach Österreich und weiter in die Bundesrepublik. In der DDR erzählte man sich im Sommer 1989 deshalb folgenden Witz: „Frage: ‚Kennen Sie Ungarn?‘ – Antwort: ‚Flüchtig‘.“ Als die Grenze zwischen Ungarn und Österreich dann am Anfang September 1989 auch offiziell geöffnet wurde, reisten innerhalb von wenigen Tagen zehntausende DDR-Bürger auf diesem Weg in den Westen aus.

In den folgenden Wochen durften viele weitere tausende DDR-Bürger, die in die Botschaften der Bundesrepublik  in Prag und Warschau geflüchtet waren, schließlich in die Bundesrepublik ausreisen.

Die SED-Führung weigerte sich, ihren Bürgerinnen und Bürgern, die die DDR nicht verließen, mehr demokratische Rechte einzuräumen. Die Menschen wurden daraufhin immer unzufriedener. Als dann bei der Wahl am 7. Mai 1989 auch noch ans Licht kam, wie dreist und unverschämt die SED die Ergebnisse gefälscht hatte, waren die Menschen so wütend, dass sie von nun an in regelmäßigen Abständen gegen die SED protestierten.

Ab dem 4. September 1989 fanden zudem die Montagsdemonstrationen statt – zunächst in Leipzig, später dann auch in Dresden, Halle, Plauen und anderen größeren Städten. Bei diesen Massendemonstrationen protestierten Hundertausende DDR-Bürger gegen die politischen Verhältnisse und riefen: „Wir sind das Volk!“ Obwohl die Demonstranten friedlich waren, kam es vereinzelt auch zu Gewalt durch die Polizisten der Volkspolizei.

Die Ausreisewelle und die anhaltenden Massendemonstrationen führten dazu, dass die SED eine neue Regelung für Reisen einführen wollte: Wer für immer gehen wollte, sollte gehen dürfen. Wer bleiben wollte, sollte regelmäßig und problemlos ins Ausland reisen können. Als ein Journalist den Pressesprecher der SED, Günter Schabowski, am 9. November 1989 auf einer Pressekonferenz fragte, ab wann diese neue Regelung gelten solle, sagte dieser aus Versehen: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“

Die Pressekonferenz wurde live im Fernsehen übertragen. Deshalb eilten sofort viele Menschen in Ost-Berlin zu den Grenzübergängen. Erst kamen einige Dutzend, dann Hunderte, schließlich Tausende. Die bewaffneten DDR-Grenzsoldaten wussten nichts von der neuen Regelung und hatten auch Schabowskis Fernsehauftritt nicht gesehen. Es ist ein Wunder, dass kein Schuss fiel. Um 23:29 Uhr an diesem 9. November 1989 öffneten die Grenzsoldaten, die nicht mehr wussten, was sie tun sollten, die ersten Schlagbäume – und die Menschen konnten ungehindert und ohne Umweg rüber in den Westen. Das war – wie sich schließlich zeigte – der Anfang vom Ende der DDR und der Grundstein für die Deutsche Einheit.

Der Mauerfall bedeutete vor allem, dass die SED ihre Macht verlor. Am 18. März 1990 fanden in der DDR die ersten und einzigen freien Wahlen statt. Die frei gewählte Volkskammer (das Parlament der DDR) beschloss am 23. August 1990 den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland zum 3. Oktober 1990. Der Einigungsvertrag wurde am 31. August 1990 von beiden Ländern unterschrieben und am 12. September 1990 stimmen auch die vier ehemaligen Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion zu („Zwei-plus-vier-Vertrag“). Denn obwohl seit Kriegsende 45 Jahre vergangen waren, wäre die Deutsche Einheit ohne deren Einwilligung nicht möglich gewesen.

Am 3. Oktober 1990 war es dann soweit: Deutschland feierte seine Wiedervereinigung und war ab sofort souverän, also unabhängig und selbstbestimmt.

...

Menschen vor dem Brandenburger Tor feiern die Fußballweltmeisterschaft 2014; Quelle: picture alliance / Robert Schlesinger
© picture alliance / Robert Schlesinger

Was haben wir seit der Wiedervereinigung erreicht?

Die Wiedervereinigung war für Deutschland eine große Herausforderung. Beide Länder einigten sich darauf, dass die DDR der Bundesrepublik beitrat. In der Praxis bedeutete das: Für die Deutsche Einheit musste nicht alles neu erfunden werden.

...

Die Wiedervereinigung war für Deutschland eine große Herausforderung. Beide Länder einigten sich darauf, dass die DDR der Bundesrepublik beitrat. In der Praxis bedeutete das: Für die Deutsche Einheit musste nicht alles neu erfunden werden. Das, was sich in Westdeutschland gut bewährt hatte, sollte nach der Wiedervereinigung auch für Ostdeutschland gelten: Beispielsweise galt von nun an überall die Soziale Marktwirtschaft und als Währung die D-Mark.

Alle ehemaligen DDR-Bürgerinnen und Bürger – also rund 16 Millionen Menschen – konnten ab dem 1. Juli 1990 ihre DDR-Mark in D-Mark umtauschen. Das war ganz schön aufwendig: Vor vielen Banken bildeten sich lange Schlangen.

Viel schwieriger war es jedoch, in Ostdeutschland die Soziale Marktwirtschaft einzuführen. Denn in der ehemaligen DDR gehörten fast alle Betriebe dem Staat. Diese Betriebe mussten nun an private Besitzer verkauft werden. Für diese Aufgabe wurde die Treuhandanstalt – oder kurz: Treuhand – gegründet. Die Treuhand privatisierte die ehemals staatlichen Betriebe, so dass sie nach den Regeln der Sozialen Marktwirtschaft weitergeführt werden konnten – oft allerdings mit deutlich weniger Beschäftigten als zu DDR-Zeiten. Für einige Betriebe konnte die Treuhand keine Käufer finden, weil die Betriebe einfach zu alt oder zu unproduktiv waren. Diese Betriebe legte die Treuhand dann still.

Das führte natürlich dazu, dass nach der Wiedervereinigung plötzlich viele Menschen in Ostdeutschland arbeitslos waren. Aber nicht nur die Betriebe und damit die gesamte ostdeutsche Wirtschaft lagen am Boden. Auch Wohnungen, Gebäude, Straßen, Plätze und Wege – die ganze Infrastruktur war in einem schlechten Zustand. Die DDR war kurz vor ihrem Ende so gut wie pleite gewesen und hatte deshalb kein Geld gehabt, um die Infrastruktur zu erneuern. Auch der Umweltschutz war zu kurz gekommen. Deshalb waren viele Gebiete, Seen und Flüsse verunreinigt und mussten aufwendig gesäubert werden.

Da die Menschen in Ostdeutschland nicht schlechter leben sollten als die Westdeutschen, wurde 1991 der „Soli“ eingeführt. Das ist eine Abkürzung für Solidaritätszuschlag – eine Steuer, die die berufstätigen Menschen in Deutschland abhängig von ihrem Gehalt bis heute bezahlen, egal ob sie in West- oder Ostdeutschland wohnen. Mit diesem zusätzlichen Geld konnte die Wirtschaft und die Infrastruktur in Ostdeutschland wieder aufgebaut werden, so dass sich die Lebensbedingungen dort immer mehr an die in Westdeutschland annähern konnten.

Seit der Wiedervereinigung ist aber noch viel mehr passiert als der gerade beschriebene „Aufbau Ost“: Auch menschlich sind wir zusammengewachsen. Das sieht man zum Beispiel daran, dass Menschen aus West- und Ostdeutschland geheiratet und Familien gegründet haben oder von einem Teil Deutschlands in den anderen gezogen sind und dort leben und arbeiten. Außerdem halten die Menschen in West- und Ostdeutschland heute die Demokratie für die beste Staatsform, die es gibt. Die allgemeine Lebenszufriedenheit ist im Westen und Osten hoch und eine große Mehrheit aller Deutschen findet, dass die Wiedervereinigung für Deutschland und für sich persönlich vorteilhaft war.

Was Mode, Musik, Filme, Bücher und viele andere alltägliche Dinge betrifft, haben sich schon kurz nach der Deutschen Einheit viele Gemeinsamkeiten gezeigt. Als 2006 die erste Fußball-WM im vereinigten Deutschland stattfand und Deutschland 2014 sogar Fußball-Weltmeister wurde, haben West- und Ostdeutsche gemeinsam direkt am Brandenburger Tor gefeiert – genau dort, wo früher die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten verlief.

Auch wenn damals bei der Wiedervereinigung die DDR der Bundesrepublik beigetreten ist und vieles typisch Ostdeutsche verloren gegangen ist: Einige Sachen sind auch nach der Wiedervereinigung geblieben und für die Menschen heute selbstverständlich – im Westen wie im Osten:

  • die Ganztagsbetreuung von kleinen Kindern in Krippen
  • die Ganztagsschulen
  • die Polikliniken, also der Zusammenschluss von Ärzten verschiedener Fachrichtungen unter einem Dach („Ärztehaus“)
  • ein emanzipierteres Frauenbild: Im Osten war es normal, dass auch die Frau arbeiten ging, im Westen blieb sie viel öfter zu Hause bei den Kindern. Heute ist beides möglich, jede Frau kann selbst entscheiden, was sie möchte.
  • der grüne Pfeil an der Ampel 

Möchtest du mehr über die DDR erfahren? Es gibt viele Museen und Gedenkstätten, wo du dich informieren kannst. Hier einige Links: 

„Erinnerung an Teilung und DDR – Museen und Gedenkstätten zur deutschen Nachkriegsgeschichte“
Du kannst wählen zwischen „Museen nach Themen“ und hier zum Beispiel „Mauer und Grenze“ anklicken. Oder du wählst „Museen nach Regionen“ und klickst dann dein Bundesland an.

„Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Linkliste zu Gedenkstätten und Museen in Deutschland“
Hier kannst du wählen zwischen „Gedenkstätten zur Erinnerung an Opposition, Widerstand und Verfolgung in der SBZ/DDR“, „Grenzmuseen“ und „Museen zur oder mit einem Schwerpunkt DDR-Geschichte“.

„Berlin.de – das offizielle Hauptstadtportal: Gedenkstätten und Gedenkorte für die Toten an der Berliner Mauer“
Hier findest du fünf Orte in Berlin, die an die Opfer der Berliner Mauer erinnern.

Einen Tipp haben wir noch für dich: Wenn du mal sehen möchtest, wie genau die Menschen damals in der DDR gelebt haben: In Berlin gibt es das „DDR Museum“, wo du alles anfassen darfst. Ein Besuch mit deiner Familie oder deiner Klasse lohnt sich. Viel Spaß!

...

Vom Mauerbau bis zur Deutschen Einheit

Beginn des Mauerbaus
13. August 1961 | Der Mauerbau beginnt, um DDR-Bürgerinnen und Bürgern die Flucht in die Bundesrepublik unmöglich zu machen. Die Berliner Mauer um ganz West-Berlin herum ist 155 Kilometer lang. Die etwa 1.400 Kilometer lange Grenze zur Bundesrepublik wird zum größten Teil durch Stacheldraht und Minenfelder beziehungsweise Gitterzaun mit Selbstschussanlagen gesichert.Die Berliner Mauer wird zum Symbol des "Kalten Kriegs" zwischen dem Westen und dem Ostblock unter Führung der Sowjetunion.
© picture alliance / dpa
Bild von Michail Gorbatschow
11. März 1985 | Michael Gorbatschow kommt in der Sowjetunion an die Macht. Er verbessert die Beziehungen zum Westen und macht "Glasnost" (Offenheit) und "Perestroika" (Umgestaltung) zu seinem Programm. Dadurch dürfen die Menschen in der Sowjetunion und anderen Staaten des Ostblocks zum ersten Mal frei ihre Meinung sagen und die Staaten selbst demokratischer werden. Viele Staaten des Ostblocks nutzen diese Chance - nicht aber die Führung der DDR.
© picture alliance / dpa
Menschen in der DDR protestieren
7. Mai 1989 | Die Menschen in der DDR werden immer unzufriedener. Als dann bei der Wahl am 7. Mai 1989 auch noch ans Licht kommt, wie dreist und unverschämt die SED die Ergebnisse gefälscht hat, sind die Menschen so wütend, dass sie von nun an in regelmäßigen Abständen gegen die SED protestieren.
© picture alliance / ZB
DDR-Bürgerinnen gelangen über Sonderzüge in den Westen
ab 2. September 1989 | Tausende DDR-Bürgerinnen und -Bürger versuchen, über Ungarn, Polen und die Tschechoslowakei (heute Tschechien und Slowakei) in den Westen zu gelangen. Anfang September 1989 öffnet Ungarn als erstes Land des Ostblocks seine Grenzen zum Westen – genauer gesagt: zu Österreich. Innerhalb von wenigen Tagen reisen zehntausende DDR-Bürger auf diesem Weg aus Ungarn aus.In den folgenden Wochen durften viele weitere tausende DDR-Bürger, die in die Botschaften der Bundesrepublik  in Prag und Warschau geflüchtet waren, schließlich in die Bundesrepublik ausreisen.
© picture alliance / dpa
Erste Montagsdemonstration in Leipzig
4. September 1989 | In Leipzig findet die erste Montagsdemonstration statt. Am Anfang noch recht klein, protestieren an den folgenden Montagen schon zehntausende Menschen gegen die DDR-Regierung und für mehr Menschenrechte und Freiheit. Es bleibt nicht bei Leipzig: In diesem Herbst finden auch Massendemonstrationen in anderen Städten der DDR statt, beispielsweise in Dresden, Halle und Plauen. Woche für Woche gehen nun hunderttausende DDR-Bürger im ganzen Land auf die Straße und rufen "Wir sind das Volk!"Obwohl die Demonstranten friedlich sind, kommt es vereinzelt zu Gewalt durch die Sicherheitskräfte (Polizei und Stasi). Auf der Leipziger Montagsdemo am 9. Oktober 1989 rufen die Menschen "Keine Gewalt!" - und die Volkspolizisten halten sich zurück. Die friedlichen Demonstranten haben über die Diktatur und deren gewalttätige Sicherheitskräfte gesiegt. Deshalb spricht man von der "Friedlichen Revolution".
© picture alliance / dpa
West- und Ost-Berliner feiern ausgelassen die Grenzöffnung vo dem Brandenburger Tor
9. November 1989 | Aus Versehen verkündet Günter Schabowski, der Pressesprecher der DDR-Regierung, im Fernsehen die Reisefreiheit. Zehntausende Menschen strömen daraufhin zur Berliner Mauer. Die Grenzbeamten geben der Menschenmasse schließlich nach und öffnen um 23:29 Uhr den ersten Grenzübergang. Um Mitternacht werden auch die weiteren Grenzübergänge in Berlin geöffnet. In dieser Nacht feiern West- und Ost-Berliner ausgelassen vor dem Brandenburger Tor. Sie liegen sich in den Armen, tanzen auf der Mauer und schwenken Deutschlandflaggen. In den folgenden Wochen besuchen Millionen DDR-Bürgerinnen und -Bürger West-Berlin und die Bundesrepublik Deutschland.
© picture alliance / ZB
Wahlergebnisse der einzigen freien Wahl der DDR 1990
18. März 1990 | Die erste und einzige freie Wahl in der DDR findet statt. Alle vorherigen Wahlen hatte die SED gefälscht und behauptet, rund 99 Prozent aller Stimmen erhalten zu haben. Bei dieser Wahl jedoch geht alles mit rechten Dingen zu - und die Menschen nutzen ihr Wahlrecht: 93,4 Prozent aller Wahlberechtigten gehen tatsächlich zur Wahl, also fast alle DDR-Bürgerinnen und Bürger. Mit ihrem Stimmzettel bestimmen sie zum ersten Mal demokratisch darüber, welche Parteien in die DDR-Volkskammer (Parlament der DDR) einziehen und wie stark sie dort vertreten sind.
© Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
Volkskammer beschließt mehrheitlich den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland
23. August 1990 | Die DDR-Volkskammer beschließt mit Zweidrittel-Mehrheit den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes zum 3. Oktober 1990.
© picture alliance / dpa
Zwei-plus-Vier-Verträge werden unterschrieben
12. September 1990 | Die DDR und die Bundesrepublik Deutschland dürfen ihre Wiedervereinigung nicht alleine beschließen. Die beiden Länder unterstehen 45 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch den vier Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion. Erst als an diesem Tag die "Zwei-plus-Vier-Verträge" unterschrieben werden, mit denen die Siegermächte der Wiedervereinigung zustimmen, erhält das geeinte Deutschland seine volle Souveränität, also das Recht zu unabhängigen Entscheidungen, zurück.
© picture alliance / ZB
Offizieller Tag der Wiedervereinigung
3. Oktober 1990 | Es ist soweit: An diesem Tag wird Deutschland offiziell wiedervereinigt. Es ist nun souverän, also unabhängig und selbstbestimmt. Viele Menschen feiern die Wiedervereinigung, vor allem in Berlin.
© Bundesregierung / Engelbert Reineke
1961
Beginn des Mauerbaus
1985
Bild von Michail Gorbatschow
1989
Menschen in der DDR protestieren
1989
DDR-Bürgerinnen gelangen über Sonderzüge in den Westen
1989
Erste Montagsdemonstration in Leipzig
1989
West- und Ost-Berliner feiern ausgelassen die Grenzöffnung vo dem Brandenburger Tor
1990
Wahlergebnisse der einzigen freien Wahl der DDR 1990
1990
Volkskammer beschließt mehrheitlich den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland
1990
Zwei-plus-Vier-Verträge werden unterschrieben
1990
Offizieller Tag der Wiedervereinigung

Eure Meinung zur Deutschen Einheit

Bild von Theresa Lohff, 8. Klasse; Quelle: Theresa Lohff

Theresa Lohff, 8. Klasse


Ich bin froh, mich frei und unbeobachtet bewegen zu können. So etwas wie die DDR, die Stasi und „Freunde“, die einen ausspionieren, wird es hoffentlich nie mehr geben.

Bild von Muriel Wegner, 9. Klasse; Quelle: Muriel Wegner

Muriel Wegner, 9. Klasse


Die Deutsche Einheit zeigt, wie viel ein Volk mit einer friedlichen Revolution verändern kann. Ich bin dankbar, in diesem offenen und freien Deutschland zu leben.


Quiz

Quiz starten